Malerisch und manchmal mystisch

Usedom - Malerisch und manchmal mystisch

Die klassischen Badeorte auf Usedom sind gut besucht. Doch auch abseits warten zahlreiche schöne, teils sehr ruhige Orte auf die Urlauber

Von Christine Zacharias - RP ONLINE - 15.09.2019

Ein breiter, fast weißer Sandstrand bis zum Horizont. Ein dunkelgrüner Waldstreifen, der sich über viele Kilometer hinweg wie eine Perlenschnur entlang dieses Strandes erstreckt. Dazu das unaufhörliche Rauschen der Wellen und die Weite des Meeres: Diesen Dreiklang darf man getrost Urlaubsparadies nennen. Die Rede ist aber nicht von einer exotischen Insel, nur durch weite Flugreisen erreichbar. Dieser Dreiklang findet sich auf Usedom, der östlichsten deutschen Insel, wenige Kilometer vor der polnischen Grenze gelegen. Ihr geografisches Pendant jenseits der Grenze ist Wollin. Zusammen erscheinen die beiden Halbinseln wie zwei Schmetterlingsflügel beiderseits des Flusses Swine, der bei Swinemünde/Swinoujscie in die Ostsee mündet.

Usedom ist zumindest in Teilen immer noch Geheimtipp. Sollten sich die zuletzt recht stabilen, sonnenreichen Sommer als dauerhaft erweisen, hat die Region das Zeug, zu einem der Top-Reiseziele in Deutschland zu avancieren. Ohnehin soll Usedom eine der sonnenreichsten Gegenden Deutschlands sein, erzählen zumindest die Einheimischen.

Schon jetzt sind die klassischen Badeorte der Insel, die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin gefragte Ziele für Touristen. Nach der Wende wurde eines nach dem anderen schmuck und vor allem stilsicher herausgeputzt und so sind sie nun mehr als eine Reise wert. Das macht sich leider mittlerweile in regelrechten Rushhours und stundenweisen Staus auf der einzigen Verbindungsstraße quer über die Insel, der L 111, bemerkbar.

Man muss sich aber nicht in diesem Tross einreihen, um Usedoms Schönheiten zu erkunden. Auch abseits der bekannten Badeorte gibt es viel zu entdecken. Es finden sich schöne, saubere Strände auch ohne große Kurpromenade, wie etwa bei Zempin oder Koserow. Und ein idyllisches Hinterland mit im wahrsten Sinne malerischen und manchmal fast mystisch-stillen (Rückzugs-)Orten.

Genau genommen hat Usedom nämlich zwei Küsten, denn zum Landesinneren hin, dem sogenannten Hinter- oder Achterland, erstrecken sich östlicherseits das Stettiner Haff sowie in der Mitte der Insel das sogenannte Achterwasser, ein Binnensee, in den wiederum zwei kleine Halbinselchen hineinragen. Die östliche dieser beiden, den Lieper Winkel, benannt nach seinem Hauptdörfchen, hat Anfang des vorigen Jahrhunderts ein berühmter Maler und Grafiker für sich entdeckt: Lyonel Feininger, amerikanischer Künstler mit deutschen Eltern, war 1908, von seinen Wohnort Berlin kommend, zum ersten Mal zu Gast auf der Insel. Bis bis 1921 kam er dann regelmäßig Sommer für Sommer wieder her.

Auf seinem Fahrrad erkundete Feininger vor allem das Hinterland, wo er zahlreiche Skizzen anfertigte: Strandansichten, Wolkenformationen, Schiffe und Boote sowie Bäderansichten. Angetan hatten es Feininger insbesondere die kleinen Dörfchen im Achterland mit ihren Kirchen und kleinen Schlössern. 2009 hat man eine Radtour eingerichtet, auf der man den Spuren des Malers auf Usedom folgen kann.

Viele seiner Usedomer Motive verarbeitete Feininger später zu Aquarellen und Ölbildern, sie fanden Eingang in seinem „Prismaismus-Stil“, mit dem das Bauhaus-Mitglied zu Weltruhm gelangte. Der von den Nazis verfemte Künstler kehrte 1937 nach New York zurück. Zeitlebens aber schwärmte er von Usedom. Seine Lieblingsorte waren übrigens die Örtchen Mellenthin und Neppermin, das er liebevoll auch gerne „Pfefferminz“ oder „Nevermind“ nannte. „It is very stimmungsfull“, schrieb er 1910 von dort an seine Frau.

Eine Feststellung, die auch auf Gnitz zutrifft, der kleinen Landzunge am Achterwasser gegenüber. Hier gibt es einige Ferienwohnungen und -anlagen. Und sonst viel Ruhe und Natur. Wer sich von dem Örtchen Lütow aus auf einen kleinen verwunschenen Pfad begibt, gelangt nach einiger Zeit zunächst in eine unberührte, urwüchsige Wiesenlandschaft, den Möwenort. Noch etwas weiter kommt man an einen der wohl schönsten Aussichtspunkte der Insel: den Weißen Berg. Der erhebt sich rund 32 Meter hoch und besteht fast ausschließlich aus weißem Sand und vom Wind verformten knorrigen Fichten. Weit schweift von hier der Blick über Achterwasser und Peenestrom. Assoziationen an die Felsen von Rügen stellen sich ein. Nur, dass man an diesem Binnenkliff nichts, aber auch gar nichts hört. Außer vielleicht das Schreien der hier nistenden Uferschwalben.

Wem das noch nicht mystisch genug ist, der sollte sich zurück in Lütow auf einen unscheinbaren Feldweg begeben. Nach wenigen Metern tut sich in einem kleinen Wäldchen eine kleine Lichtung auf: Unter einer 350 Jahre alten Eiche trifft man hier auf eine archäologische Attraktion: eine fast 4000 Jahre alte megalithische Großsteingrabanlage. Wenn auch die Deckplatte vor zweihundert Jahren in einer nahen Dorfkirche verbaut wurde – zwischen den riesigen Steinzeit-Grabsteinen und unter der uralten Eiche weht schon ein ganz besonderer Hauch.

Die Preise auf Usedom sind in der Regel moderat und die vielen eher kleinen Badeorte mit Camping und Ferienarealen gefallen durch gediegene, gepflegte Anlagen. „Ballermann“-Auswüchse sucht man vergeblich. Der herrliche weite Strand der Insel ist für Kinder ein wahres El Dorado. Und wenn doch mal schlechtes Wetter herrscht oder der Sonnenbrand zu heftig ist: Es gibt zumindest in der Sommersaison zahlreiche Vergnügungsmöglichkeiten für die ganze Familie. Und bei Koserow sogar ein kompletes Erlebnisdorf mit Angeboten der etwas anderen, der Insel angemessenen Art: So locken hier eine Kartoffelsack-Rutsche, lustiges Stroh-Hopsen, ein Feuerwehr-Spritzenspiel und manches mehr. Darüber hinaus finden sich über die Insel verteilt noch manch weitere Spektakel für Familien, errichtet in der Regel wohlweislich auf Wiesen oder Feldern vor den Ortseingängen. Der Urlaubsruhe der schönen Insel tun sie so keinen Abbruch.

RP ONLINE

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